Patrizia Kummer feiert einen «Hattrick»

Die Alpin-Snowboarderin Patrizia Kummer bereitet momentan keinen Kummer – im Gegenteil. Die 24-jährige Oberwalliserin gewann zuletzt drei Parallel-Slaloms in Folge. Damit hat sie die Führung im Weltcup übernommen und sich zur Favoritin im Kampf um die «Kristallkugel» katapultiert. Zuletzt erlitt sie in Sudelfeld (De) einen kleinen Rückschlag.

Patrizia Kummer befindet sich momentan in einer beneidenswerten Form und ist die Fahrerin der Stunde. Am 22. Dezember holte sie in Carezza (It) ihren ersten Saisonsieg. Doch auch im neuen Jahr ist Kummers Siegeshunger bei weitem nicht gestillt. In Österreich stieg die versierte Technikerin gleich zweimal auf den obersten Podestplatz. Zuerst war sie am 13. Januar in Jauerling die Schnellste und am 15. Januar triumphierte sie in Bad Gastein vor ihrer Landsfrau Julie Zogg. Zuletzt musste sie einen kleinen Rückschlag hinnehmen. Zwar führt Kummer die Weltcup-Gesamtwertung weiterhin an; am 28. Januar fuhr sie jedoch beim Parallel-Riesenslalom in Sudelfeld (De) lediglich auf den 13. Rang. Obwohl Kummer in dieser Disziplin ihren grössten Karriere-Erfolg, die Bronzemedaille an den Weltmeisterschaften 2009 in Gangwon (SKor), erreichte, bleibt ihr bisher bestes Ergebnis im Weltcup ein 7. Rang im Jahr 2007. Ihre vier Siege fuhr sie allesamt im Parallel-Slalom heraus.

Seit 2006 im Weltcup dabei
Dass sie diese Saison derart auftrumpfen würde, hätte sich Kummer vor Saisonstart wohl nicht gedacht. Im Herbst 2011 hatte sie noch als Ziel formuliert, sich unter den besten zehn Fahrerinnen klassieren zu wollen. Doch die Frau aus dem Oberwalliser 70-Seelen-Dorf Mühlebach erlebt nun den ersten Karriere-Höhenflug seit ihrem Einstieg in den Weltcup 2006. Ihren ersten Sieg feierte Kummer am 11. Dezember 2010 in Limone Piemonte (It). Zuvor hatte sie sich abgesehen von ihrem Exploit an der WM lediglich zweimal auf dem 4. Rang klassieren können. Dazu muss allerdings erwähnt werden, dass Kummer oft von Verletzungen geplagt wurde und sich schon in beiden Knien Meniskusrisse zugezogen hat. Nun ist sie endlich zur Spitzenfahrerin gereift. Ein grosser Traum von ihr ist ein Medaillengewinn an den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi. Wenn sie gesund bleibt und ihr momentanes Niveau halten kann, sind die Chancen darauf sicherlich gross. Neben ihrer Snowboard-Karriere ist Kummer aber auch schulisch erfolgreich. So bestand sie 2008 die Matura an der Handelsmittelschule für Sportler und Künstler in Brig und absolviert momentan ein Fernstudium im Fach Psychologie.

Patrizia Kummer sprach mit «sportmail.ch» über ihre bisher erfolgreiche Saison und ihre weiteren Karriere-Ziele.

Patrizia Kummer, herzliche Gratulation zu Ihren Erfolgen. Wie erklären Sie sich Ihren Höhenflug?
Nun, ich konnte im Sommer und Herbst ausgezeichnet trainieren, das gab mir ein gewisses Selbstvertrauen. Und dann gelang es mir im Weltcup, mein Potenzial optimal umzusetzen und konstante Leistungen zu zeigen.

Hätten Sie vor der Saison gedacht, dass es gleich so gut laufen würde?
Nein, das zu denken wäre fast etwas arrogant gewesen (schmunzelt). Aber natürlich habe ich es mir erhofft.

Was sind Ihre Ziele für die weitere Saison?
Ich will weiterhin konstant Topleistungen abrufen. Es ist mein Ziel, möglichst schnell zu fahren. Aber ich schaue von Rennen zu Rennen. Die Pistenverhältnisse oder Wetterbedingungen sind an jedem Ort verschieden, deshalb nehme ich jedes Rennen für sich.

Weshalb waren Sie bisher im Parallel-Slalom erfolgreicher als im Riesenslalom?
Ich glaube, ich bin in beiden Disziplinen gleich stark. Nur konnte ich dies im Parallel-Riesenslalom bisher zu selten zeigen, davon ausgenommen ist natürlich der Gewinn der Bronzemedaille bei der WM in Südkorea 2009. Im Parallel-Slalom habe ich nach meinen Erfolgen auch mehr Selbstvertrauen. Aber die nächsten zwei Rennen sind Riesenslaloms, da versuche ich natürlich, vorne mitzufahren.

Was fasziniert Sie an der Sportart Snowboard?
Es fasziniert mich, dass man sich beim Snowboarden noch viel extremer als Skifahren voll in die Kurve legen kann. Schnell auf der Piste unterwegs zu sein, macht mir auch grossen Spass. Bei den Parallelrennen fasziniert mich das Duell «Frau gegen Frau».

Was ist Ihr grösster Karriere-Traum?
Am schönsten wären natürlich Medaillen an einem Grossanlass wie Olympia oder WM. Ein Ziel ist sicher auch der Gewinn des Gesamtweltcups.

Wie läuft es mit Ihrem Psychologie-Studium?
Ich habe nun sechs von neun Semestern absolviert. Es ist manchmal aber nicht einfach, das Fernstudium mit der sportlichen Karriere unter einen Hut zu bringen. Die letzten Prüfungen musste ich wegen einem Rennen verschieben.

Wollen Sie später auf diesem Gebiet auch beruflich tätig sein?
Ich weiss es noch nicht. Zuerst will ich den Bachelor schaffen, dann schaue ich weiter. Ich könnte es mir aber sicher vorstellen.

Haben Sie überhaupt noch Zeit für Freizeit-Aktivitäten?
Sehr beschränkt. Ich habe es in diesem Winter beispielsweise noch nie geschafft, Ski zu fahren. Wenn ich Zeit habe, spiele ich auch gerne Beachvolleyball, schaue gerne Filme oder lese Bücher. Doch ich komme leider fast nie dazu.

(Bild: PHOTOPRESS/Swiss Ski)

J. B.

 

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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 14. Februar 2012 um 11:07 Uhr