Didier Cuche: vom Rücktritt beflügelt

Didier Cuche ist einer der populärsten Schweizer Sportler aller Zeiten und dank seines furchtlosen Stils und seiner markanten Persönlichkeit eine Bereicherung für den Skizirkus. Nach Bekanntgabe des Rücktritts per Ende Saison erlebte der 37-jährige Neuenburger einen kurzzeitigen Höhenflug, doch erreichte er in den zwei letzten Abfahrtsrennen keinen Podestplatz mehr.  

Zuletzt wurde er auf der Olympia-Strecke von Sotschi (Russ) enttäuschender Zwölfter mit 1:31 Sekunden Rückstand auf Sieger und Landsmann Beat Feuz. Doch er führt trotzdem nach wie vor die Abfahrtswertung an mit 27 Punkten Vorsprung auf Klaus Kröll (Ö) und deren 28 auf Feuz. Noch stehen in dieser Saison zwei Abfahrten auf dem Programm. Im Gesamtklassement reicht es für Cuche momentan für den 5. Rang. Cuche hat eine ereignisreiche und für ihn wohl auch emotional aufwühlende Zeit hinter sich. Am 14. Januar wurde er noch zum Schweizer des Jahres gewählt, ein paar Tage später verkündete er, dass er unter seine Karriere per Ende Saison den Schlussstrich zieht. Danach feierte er gleich zwei Siege in Folge (in Kitzbühel und Garmisch) und verfügt damit über ein noch eindrücklicheres Palmares. Er wurde Weltmeister und holte Olympia-Silber. Mit seinen nun 20 Weltcuptriumphen ist er erfolgreicher als Legenden wie Bernhard Russi oder Karl Schranz (Ö). Er sicherte sich sechs «kleine Kristallkugeln» in drei Disziplinen – vier in der Abfahrt sowie je eine im Super-G und im Riesenslalom. Im Gesamtweltcup war sein bestes Ergebnis der 2. Rang in der Saison 2010/11. Ein Wermutstropfen für Cuche bleibt, dass der Traum vom Lauberhornsieg nie in Erfüllung ging. Drei zweite Plätze waren das höchste der Gefühle.

«Spätzünder» Cuche
Der gelernte Metzger aus dem Neuenburger Jura war ein sogenannter «Spätzünder». Die meisten seiner Erfolge feierte er erst nach seinem 30. Altersjahr. Nach seinem Weltcupdebüt 1993 in Bormio musste er fünf Jahre auf einen Sieg warten. Bei der Sprintabfahrt 1998 in Kitzbühel gelang Cuche sein erster grosser Coup. Im selben Jahr holte er auch sein erstes und auch einziges olympisches Edelmetall. Es war die Silbermedaille im Super-G von Nagano (Jap) – nur «Herminator» Maier (Ö) war schneller als der Schweizer. In den Folgejahren hielt er sich zwar einigermassen wacker, doch konnte er sich nicht nachhaltig als Spitzenfahrer etablieren. Erst in der Saison 2001/02 stieg Cuche wieder zuoberst aufs Podest. Nach einer Durststrecke von vier Jahren gelang ihm ausgerechnet vor Heimpublikum ein Sieg. Er gewann den legendären Riesenslalom am «Chuenisbärgli» in Adelboden. Damit bewies er seine Allrounderqualitäten, doch am stärksten fuhr der ausgezeichnete Gleiter in den schnellen Disziplinen Abfahrt und Super-G. So erhielt er auch den passenden Spitznamen «Speedier». Ab 2003 gelang ihm mit zwei Ausnahmen in jeder Saison mindestens ein Triumph. Im Januar 2005 erlitt er jedoch in Adelboden seinen grössten Tiefschlag. Beim Training zog sich Cuche einen Kreuzbandriss im rechten Knie zu und fiel den Rest dieser Saison aus. Er kämpfte sich aber nach einer langen Leidenszeit wieder zurück in den Weltcup. Über diese schwierige Phase in Cuches Karriere drehte der Schweizer Regisseur Serge-Alain Simasotchi einen Dokumentarfilm namens «Le Doute». Bis Cuche wieder sein Topniveau erreichte, dauerte es rund zwei Jahre. In der Saison 2006/07 schaffte er seinen ersten Sieg in der Abfahrtswertung. Doch erst in den letzten drei Jahren erreichte der Routinier seinen Leistungszenit und katapultierte sich in die absolute Weltspitze. Er fuhr mit beeindruckender Konstanz in die Top 3. Ausserdem krönte er sich am 4. Februar 2009 bei der WM in Val d’Isère (Fr) als 34-jähriger zum ältesten Champion in der Skigeschichte. Er war im Super-G der Schnellste, stolze 99 Hundertstelssekunden vor Peter Fill (It).

Rücktritt auf dem Höhepunkt
Der wohl beste Schweizer Skifahrer der letzten zehn Jahre wird nun jedoch von der Weltbühne abtreten. In den Medien sagte Didier Cuche dazu: «Ich bin überzeugt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist. Ich bin fit und gesund, kann immer noch vorne mitfahren. Auf diesem Niveau will ich auch abtreten.» Sportlich gesehen verdient sich der leidenschaftliche «Arbeiter» Didier Cuche grössten Respekt. Seine Popularität verdankte der bodenständige Neuenburger aber nicht nur seinen Erfolgen – die Herzen der Schweizer eroberte er auch durch sein ehrliches und humorvolles Auftreten in der Öffentlichkeit. Er wird den Skifans sicherlich in guter Erinnerung bleiben.

(Bilder: PHOTOPRESS/ Swiss Ski) 

J. B.
 

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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 21. Februar 2012 um 10:21 Uhr