Alex Fiva besetzt das Skicross-Podest

Der Weltcupleader im Skicross doppelte nach seinem ersten Sieg auf höchster Stufe gleich nach. Der Bündner Alex Fiva erlebt eine Saison der Superlative und ist bisher fast nicht vom Podest zu verdrängen. Mit einem dritten Rang und zwei Siegen bei fünf Starts beeindruckt der ehemalige Alpinfahrer die Szene und lässt den rekonvaleszenten Olympiasieger Mike Schmid beinahe schon in Vergessenheit geraten.

Alex Fiva befindet sich auf der Mission «Occupy Skicross-Podest». Bei einem schweizerisch-amerikanischen Doppelbürger darf man sicher einmal eine anglizistisch angehauchte Sprachbemühung wagen. Der in Newport Beach in Kalifornien geborene Bündner aus Parpan hat in dieser Saison so richtig eingeschlagen. Bei den beiden Auftaktrennen im italienischen Innichen stand er einmal als Dritter auf dem Podest. Gleichenorts im Dezember 2010 holte er sich mit Rang 2 seinen ersten Podestplatz; im März 2008 in Meiringen-Hasliberg startete der ehemalige und mit wenig Erfolg gesegnete Alpinfahrer erstmals im Skicross. Die erste grosse Schlagzeile lieferte der bald 26-jährige Fiva am 7. Januar 2012: Im österreichischen St. Johann stand er das erste Mal als Sieger auf dem Podest. Das prestigeträchtige Nachtrennen im Tirol gilt als wichtigstes im Weltcup. Seine schnellen Starts waren der Grundstein für eine souveräne Finalqualifikation. Vor grosser Kulisse, aber bei Nebel und starkem Schneetreiben setzte er sich im entscheidenden Lauf nur noch knapp vor dem Kanadier Brady Leman durch. Nun liess er rund eine Woche später gleich seinen zweiten Weltcupsieg folgen. Im französischen Les Contamines holte sich Fiva seinen zweiten Sieg und führt die Gesamtwertung im Weltcup an.

Fiva pflegt einen harten Ausgleichssport
Wie es sich für einen in den USA aufgewachsenen Mann gehört, hat Fiva eine grosse Zuneigung zum American Football entwickelt. Dabei schaut er aber nicht einfach zu, sondern figuriert in der ersten Mannschaft der Bündner «Calanda Broncos» aus Chur. Der Klub ist zurzeit das Mass aller Football-Dinge in der Schweiz. So hat der aktuelle Schweizer Meister vier nationale Titel geholt – die letzten drei gleich in Serie. Auch auf europäischem Parkett sind die «Broncos» hoch geachtet – 2010 siegten sie als erstes Schweizer Team im Europacup. Als «Wide Receiver» in der Offensivabteilung des Teams ist Schnelligkeit eine der wichtigsten Fähigkeiten, die er erfüllen muss. Dass er am Start eines Skicrossrennens immer wieder ganz vorne dabei ist, liegt somit wohl auch in der polysportiven Ausrichtung von Fiva begründet. Ebenso ist auch das Durchsetzungsvermögen gegenüber seinen Kontrahenten ein entscheidendes Attribut. Wenn Mike Schmid in dieser Saison nach seinem dritten Kreuzbandriss wieder ins Geschehen eingreifen wird, findet er mit Fiva somit den stärksten Gegner gleich im eigenen Lager. (Bilder: PHOTOPRESS/Swiss Ski)

Vor seinem Abflug in die USA zu den «X-Games» sprach «sportmail.ch» mit Alex Fiva vor allem über seine bisherige Saison.

Alex Fiva, wie sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden?
Mit drei Podestplätzen in fünf Rennen muss ich fast zufrieden sein mit der bisherigen Saison. Damit habe ich schon fast das Maximum rausgeholt.

Was waren Ihre Ziele vor dem Saisonstart? Haben sich diese mittlerweile geändert?
Für mich ist dieser Winter eigentlich eine Comeback-Saison. Im letzten Jahr habe ich mir bei einem Rennen in Kanada das Schlüsselbein gebrochen und musste den Winter vorzeitig beenden. Den ersten Weltcupsieg habe ich mir vor der Saison zum Ziel gesetzt und einen Platz unter den ersten 15 im Gesamtweltcup. Dieser Zielsetzung bleibe ich treu. Vor allem aber will ich gesund durch die Saison kommen, es sind noch sechs Rennen ausstehend.

Wie sieht Ihr weiterer Saisonverlauf aus?
Diesen Sonntag fliege ich nach Amerika zu einem Einladungsrennen und starte bei den «X-Games». Das ist für einen Halbamerikaner wie mich natürlich ein Highlight. Danach geht es in Kanada im Weltcup weiter. In Deutschland und Schweden sind dann die nächsten Stationen und Mitte März werden in Grindelwald die letzten zwei Saisonrennen ausgetragen.

Sie haben 2008 Ihre Skicross-Karriere gestartet, davor waren Sie im Ski alpin aktiv. Wie verlief Ihr bisheriger Werdegang als Skisportler?
Ich bin zunächst alpin gefahren und war viele Jahre guter Durchschnitt. Dabei habe ich aber schon früh immer auch etwas auf die Disziplin Skicross geschaut. In Graubünden gab es bereits zu meiner Alpinzeit eine Rennserie im Skicross. Ich dachte dabei häufig, das wäre etwas für mich. Ich startete mehrmals bei Rennen schon vor meinem definitiven Wechsel. Dann bin ich allerdings vielleicht etwas zu schnell in den neuen Sport eingestiegen. Ich hätte wohl zunächst etwas mehr Abstand gebraucht. Eigentlich hatte ich genug vom gleichen Training auf den Gletschern, was dazu führte, dass ich nicht mehr allzu intensiv trainierte. So fuhr ich zwei Jahre eher als Hobbyfahrer mit. Etwa zur gleichen Zeit habe ich auch mit dem Football begonnen und keine volle Konzentration auf den Skicrosssport gelegt. Nun bin ich aber wieder voll dabei und es macht grossen Spass.

Ist es richtig, dass Sie vor allem beim Start sehr stark sind? Wie wichtig ist ein guter Start beim Skicross?
Das ist bei mir ziemlich unterschiedlich. Es hängt davon ab, wie der Start gebaut ist. Ich bin jemand, der gerne von Anfang an vorne dabei ist. Überholmanöver sind eher noch nicht meine Stärke. Es kommt aber auch auf die nachfolgende Strecke an, wie wichtig ein guter Start ist. Ich bin vor allem stark, wenn ich auf technisch schwierigen Kursen vorne wegfahren kann. Beim Windschattenfahren und Überholen kann ich mich sicher noch verbessern.

Gibt es im Skicross analog zum Ski alpin ebenfalls unterschiedliche Strecken für Techniker oder Speed-Spezialisten?
Das kann man nicht genau so sagen. Aber natürlich gibt es steilere oder flachere Strecken und auch solche mit mehr oder weniger Kurven.

Sie sind polysportiv und neben dem Skicross auch im Kader der ersten Mannschaft der «Calanda Broncos» vertreten. Wie bringen Sie beide Sportarten unter einen Hut?
Vor zwei Jahren habe ich noch voll mitgespielt. Das war, als wir mit dem Team den Europacup-Titel geholt haben. In der letzten Football-Saison war ich verletzt, habe aber von der Tribüne aus mitgefiebert. Dieses Jahr kann ich aufgrund des Skicross nicht von Anfang an mittrainieren. Sobald die Saison vorbei ist, will ich aber wieder mitspielen. Ob ich dann in der ersten Mannschaft spielen darf oder in der in diesem Jahr neu gegründeten zweiten Mannschaft, werden die Trainer entscheiden.

Als «Wide Receiver» der «Broncos» müssen Sie vor allem schnell sein und sich gegen die «Defense» durchsetzten. Können Sie davon für den Skicrosssport profitieren?
«Wide Receiver» ist tatsächlich meine Lieblingsposition. Das Zusammenspiel mit dem «Quarterback» gefällt mir. Profitieren ist bei dieser Frage vielleicht das falsche Wort. Zum Skicross ist American Football ein guter Ausgleich und ebenso ein Schnellkraftsport. Somit ist es sicher nicht kontraproduktiv. Auf dem Schnee haben wir aber Skier an, so kann man die beiden Sportarten also nicht vergleichen.

Sind Sie Profisportler oder üben Sie neben diesen zwei Sportarten auch noch einen weiteren Beruf aus?
Ich arbeite als Informatiker in Chur.

Wie kam es zu Ihrer schweizerisch-amerikanischen Doppelbürgerschaft?
Meine Eltern haben in Kalifornien gewohnt, als ich geboren wurde. Mit drei oder vier Jahren bin ich dann in die Schweiz gekommen. Ich fliege aber schon beinahe jedes Jahr noch in die USA in die Ferien und treffe Bekannte von dort.

In St. Johann wurden Sie von Freunden und Bekannten begleitet und kündeten nach ihrem ersten Sieg ein Fest an. Wie ist die Party ausgefallen?
Leider nicht gross. Am nächsten Tag stand uns bei der Reise auf die Alpe d’Huez eine Fahrt von 12 Stunden bevor. Somit haben wir uns bescheiden zurückgehalten.

Alex Fiva, herzlichen Dank für das Gespräch.

zim

 

OBER0015_Restaurant Bar Obertor

 

DUBA0001_Duba Bau und Kieswerk AG Lenzerheide
AURO0001_Aurora Lenzerheide
 

 

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 19. Januar 2012 um 10:24 Uhr