Dario Cologna: ohne Schwäche zum dritten Tour-Sieg
In der noch jungen Geschichte der Tour de Ski schaffte der Bündner Dario Cologna bei der 6. Austragung seinen 3. Gesamtsieg und ist damit erfolgreichster Athlet im wichtigsten Etappenrennen des Langlaufsports. Der beste Allrounder des Teilnehmerfeldes zeigte bei seinem Triumph keine Schwächen und wurde im Materialbereich von seinem Team jeweils bestens ausgerüstet.
Dass Dario Cologna in diesem Jahr in so überlegener Manier zu seinem 3. Tour-Sieg kommen würde, hätten wohl nur wenige gedacht. In einer Saison ohne Grossanlass legten die meisten Athleten ihren Fokus auf die Tour de Ski. Auch Colognas grösster Rivale, der Norweger Petter Northug, setzte sich zum Ziel, seinen ersten Tour-Sieg einzufahren. Er startete denn auch gut ins Rennen über elf Tage und neun Etappen und war bis zur Hälfte immer etwas vor Cologna platziert. Der Münstertaler liess sich aber nie aus der Reserve locken, holte sich immer wieder wichtige Bonussekunden und zeigte damit, dass er auch heuer wieder unantastbar bleiben würde. In der vorletzten Etappe über 32 Kilometer von Cortina nach Toblach mit Handicapstart konnte er als Leader mit 13 Sekunden Vorsprung vor Northug starten. Der norwegische Spitzenläufer holte den Rückstand zwar rasch auf, brach allerdings ein, als Cologna das Tempo leicht anzog. Auf die berüchtigte letzten Etappe (9 Kilometer), ebenfalls als Verfolgerrennen ausgetragen, mit dem happigen Schlussaufstieg hinauf auf die Alpe Cermis, nahm der 25-jährige Cologna gar einen Vorsprung von 1:22 Minuten mit – und verteidigte diesen angetrieben von zahlreichen Schweizer Fans souverän. Northug musste sich gar noch auf den 3. Gesamtrang verdrängen lassen. Der Schwede Marcus Hellner vermochte den Norweger noch einzuholen und ihn in den steilsten Rampen zu distanzieren. Cologna kam so nach 2009 und 2011 zu seinem 3. Gesamtsieg, mit 1:02 Minuten Vorsprung auf den überraschend zweitplatzierten Hellner. Der Bündner stützte sich im Ziel stehend kurz auf seinen Oberschenkeln ab, praktisch alle Nachfolgenden fielen kurz nach der Ziellinie in den Schnee und blieben voller Erschöpfung minutenlang liegen. Auch das war ein eindrückliches Zeichen für die Überlegenheit Colognas. Den Sieg verdankt er sicher auch seiner hervorragenden Regenerationsfähigkeit und dem in jedem Rennen von seinen Serviceleuten perfekt abgestimmte Material.
Zwei Jahre ohne Tour-Sieg?
Mit den 400 Punkten für den Gesamtsieg übernahm der Münstertaler auch die Führung im Langlauf-Weltcup. Nach einem verdienten, aber eher kurz gehaltenen Wellness-Urlaub kehrte Cologna (im Gegensatz zu Northug) bereits wieder in den Weltcup zurück und erfreut sich weiterhin einer grandiosen Form. Im estnischen Otepää gewann er gleich beide Rennen im klassischen Stil. Im Sprint allerdings fuhr er mit den Skating-Skiern, denn den kurzen Rundkurs bewältigte er durchgehend mit Doppelstockstössen. Beim Rennen über 15 Kilometer zeigte er sich von diesem gewaltigen Effort überhaupt nicht geschwächt und war in Estland unschlagbar. Im Gesamtweltcup weist er nun bereits 293 Punkte Vorsprung auf den abwesenden Northug auf. Wann der Norweger wieder ins Weltcupgeschehen eingreifen wird, ist noch nicht klar. Dass er jetzt auch die grosse Kristallkugel holen will, hat er gegenüber «20Minuten» schon vor den Rennen in Otepää klar gemacht. Prgrammgemäss liegt seine nächste Weltcupstation in Moskau. In der russischen Hauptstadt werden zwei Sprintrennen ausgetragen. Auch einen weiteren Ausblick auf seine Karriereplanung hat er gewährt. Nachdem er bei der letzten Weltmeisterschaft enttäuscht zurückkehren musste – 2011 waren seine besten Resultate am Holmenkollen in Oslo lediglich zwei 9. Plätze – will er in den nächsten beiden Jahre seinen Fokus auf die Grossanlässe legen. 2013 finden die Weltmeisterschaften im italienischen Val di Fiemme statt, sozusagen Heimrennen für den Münstertaler, und 2014 sind die Olympischen Winterspiele in Sotschi das Highlight für die Langläufer. Er liess sich die Aussage entlocken, dass die Möglichkeit besteht, die Tour in den folgenden beiden Jahren zugunsten der Grossanlässe nicht fertig zu laufen. Aber als Rekordsieger der Tour ist er ja in der komfortablen Lage, abwarten zu können, ob sich ein anderer Allrounder finden lässt, der ihm den Titel «König der Tour de Ski» streitig machen kann . (Bild: PHOTOPRESS/Swiss-Ski)
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